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CD-KRITIK: EYE-D (remastered 2011)

BEWERTUNG:12 von 15 möglichen Punkten

[22.12.11] - Martin C. Herberg kennt man (vielleicht) als ausgesprochen virtuosen Saitenzupfer, der seit der Mitte der 70er Jahre meist alleine mit seiner Akustikgitarre auf Konzerten und Alben zu hören ist. 1999 veröffentlichte er mit "29.3 Dreams" ein "elektrisches" Album (welches unter dem Künstlernamen Eye-D erschien). 2011 wurde das Album von Herberg auf seinem eigenen Label Lonesome Loser Records in remasterter Form neu aufgelegt.


"29.3 Dreams" ist ein Konzeptalbum, in dem ein Mann bei der Beerdigung seines besten Freundes (der Space Cowboy?) über sein bisheriges Leben reflektiert und phantasiert. Herberg (alias Mad Carl Horrovitz) bezeichnet das Album selbst als Underground-Rock-Experimental-Abenteuer. Jo, das passt ganz gut! "29.3 Dreams" bietet (in seiner remasterten Version mit den drei Bonusnummern) fast 73 Minuten an klangvoller Musik, die ein ziemlich abwechslungsreiches Gemenge an Symphonisch-Retroprogressivem, Elektronischem, Neopsychedelischem, Artrock, Folkig-Akustischem, Klangcollagen, Ethnoeinlagen, Chorabschnitten, Postrock, deftigerem Rock und getragenen Songs darstellt. Vornehmlich Gitarren und Keyboards kommen hier zum Einsatz, dazu Tonbandeinspielungen, Samples und Gesang, ab und zu Schlagzeug, etwas Perkussion, eine Bläsergruppe, ein kleiner Chor und gelegentliche Gastauftritte von Akkordeon-, Sax- oder Didgeridoospielern.


Das klangliche Ergebnis erinnert bisweilen an Pink Floyd, die späteren Floyd von "The Wall" und "Final Cut", oder auch die stark Floyd-beeinflussten frühen Sachen von Porcupine Tree. Gerade das symphonisch-melodische, tastenstreicherdominierte "Space Cowboy" klingt stellenweise sehr nach den Briten. Ansonsten ist "29.3 Dreams" eine ziemlich eigenständige und beeindruckende Klangreise, ein sehr dichtes und rundes elektro-akustisches Soundgebilde, welches mal eher verträumt und elegisch, mal heftiger und voluminös aus den Boxen gleitet.


Bisweilen gerät die Musik in experimentelle, leicht angeschrägte Gefilde (man höre das Ende von "All my dreams" oder das endlos hinabgleitende Fiepzischen von "D-Termination). Vor allem das letzte Drittel des Albums (ab Track 18) ist recht düster, sperrig und auch elektronisch ausgefallen. Da wüten z.B. in "The lonesome hero" Blechbläser, derbes Gitarrengeriffe, ekstatisches Didgeridoo-Jaulen zu hochfrequenter Perkussion auf beeindruckende Weise dahin. Andere Stücke sind reine, durchaus unglatte Elektroniknummern, wie z.B. die beiden Teile von "Cum mortuo in lingua mortui", das schon erwähnte "D-Termination" oder die Bonustracks "S DRAW KCAB DEY A LP SKCART EERTH" und "The Polaris swirling". Getragen symphonisch klingt das Album dann mit einer Instrumentalversion des "Space Cowboy Requiems" aus."29.3 Dreams" ist eine rundum gelungene Prog-Suite, die krautrockig-elektronische Experimentierfreude (ganz im positiven Sinne - krautigen Dilettantismus gibt es hier nicht) mit klangvollem Artrock vermengt. Zumindest wer Pink Floyd und Elektronisches schätzt, sollte hier unbedingt einmal reinhören!

Achim Breiling in www.babyblaue-Seiten.de

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Tourdaten

24.11.18
Erlangen
Lonesome Loser Records • Scheibenstraße 9 • 42115 Wuppertal